Bad Reichenhall

Bad Reichenhall ist Große Kreisstadt und Kreisstadt des Landkreises Berchtesgadener Land im Regierungsbezirk Oberbayern. Die Kurstadt, die über Solequellen und -bäder verfügt, wurde 2001 zur Alpenstadt des Jahres gekürt. Nach wie vor spielt das Salz in Bad Reichenhall eine große Rolle. Reichenhall – seit 1890 Bad Reichenhall − ist dank seiner aus zahlreichen Solequellen gespeisten Solebäder ein anerkannter Kurort bzw. eine „Kurstadt“, und die Saline Bad Reichenhall vermarktet ihr Reichenhaller Markensalz in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 473 m ü. NHN
Fläche: 41,92 km²
Einwohner: 17.137 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 409 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83435
Vorwahl: 08651
KFZ-Kennzeichen: BGL
Gemeindeschlüssel: 09 1 72 114
Stadtgliederung: 9 Ortsteile

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt liegt im sogenannten Reichenhaller Talkessel an der Saalach. Sie wird im Norden vom Bad Reichenhaller Hausberg, dem Hochstaufen, sowie dem Fuderheuberg, im Westen vom Zwiesel, im Südwesten von Gebersberg und Müllnerberg, im Süden vom Predigtstuhl und im Osten, etwas weiter weg, hinter den angrenzenden Orten Bayerisch Gmain und dem österreichischen Großgmain, vom Untersbergmassiv umrahmt.

Der Ortsteil Marzoll liegt nordöstlich von Staufen und Fuderheuberg, dort wo sich das Tal weitet.

Unter dem Hochstaufen ereignen sich immer wieder sogenannte Schwarmbeben. Diese sind meist zu schwach, um bewusst wahrgenommen zu werden, erreichen aber manchmal spürbare Stärken von bis zu 3,5 auf der Richterskala.

Der Bahnhof liegt auf 470 m über dem Meeresspiegel, und das am höchsten liegende Gebäude der Stadt ist das Reichenhaller Haus unterhalb des Gipfels vom Hochstaufen auf 1750 m.

Klima

Bedingt durch die geschützte Lage im Flusstal der Saalach verfügt Bad Reichenhall trotz seiner alpinen Lage über ein Schonklima. Wegen der Lage und des Klimas wird Bad Reichenhall im touristischen und gesundheitlichen Kontext mitunter als Meran des Nordens bezeichnet. In der Effektiven Klimaklassikation erreicht das Klima von Bad Reichenhall eine mittlere Jahresniederschlagsmenge von 1675 mm und eine Durchschnittstemperatur von 8,5 °C.

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden innerhalb des Landkreises Traunstein sind im Nordwesten Inzell, innerhalb des Landkreises Berchtesgadener Land im Nordosten Piding, im Südosten Bayerisch Gmain und im Westen Schneizlreuth sowie im österreichischen Bundesland Salzburg hinter dem Grenzübergang Walserberg (A1) / Schwarzbach (BAB 8) im Ortsteil Marzoll die östlich von Bad Reichenhall gelegene Gemeinde Wals-Siezenheim und entlang des schmalen Grenzstreifens etwas südlich davon die Gemeinde Großgmain.

Stadtgliederung

Bad Reichenhall gliedert sich in fünf Gemarkungen und ist in den Statistiken einschließlich der Kernstadt mit insgesamt neun Ortsteilen ausgewiesen.

Die gesamte Fläche des Stadtgebiets beträgt 41,92 km², davon sind 568 ha Siedlungs- und Verkehrsflächen, 2.286 ha Waldflächen, 588 ha Landwirtschaftsflächen, 171 ha Wasserflächen und 35 ha Erholungsflächen (Stand 31. Dezember 2010, d.h. vor der Eingliederung des Forst St. Zeno).

U. a. in Veröffentlichungen wird, obwohl amtlich nicht mehr ausgewiesen, noch auf ehemalige Ortsteile der eingemeindeten Gemeinden Bezug genommen, so auf das ehemalige Dorf Türk, das letztmals im Amtlichen Ortsverzeichnis 1961 erwähnt und seither im Ortsteil Marzoll enthalten ist, obwohl die Ortsteile siedlungsgeographisch immer noch getrennt sind. Bis auf den Weiler Leopoldsthal, der in Gmain eingemeindet wurde, sind zudem alle Ortsteile der ehemaligen Gemeinde St. Zeno – das gleichnamige Pfarrdorf als Hauptort, das Dorf Froschham und die Weiler Traunfeld und Vogelthenn – mit Bad Reichenhall ohne weitere amtliche Unterscheidung baulich zusammengewachsen.


Geschichte Frühgeschichte, römische Kaiserzeit und erste Salzverarbeitung

Funde im Reichenhaller Raum deuten darauf hin, dass bereits während der Glockenbecherkultur (2600 bis 2300 v. Chr.) eine feste Siedlung und weitverzweigte Handelswege vorhanden waren. Richtig belegt wurde dies jedoch erst durch Funde zahlreicher Grabstätten aus der Urnenfelderzeit (1600–750 v. Chr.) im Bereich des heutigen Ortsteils Karlstein. Dort war in der La-Tène-Zeit (450–15 v. Chr.) auch ein keltisches Kultzentrum am „Langackertal“ und eine Münzprägestätte am „Haiderburgstein“. Die Kelten verfügten bereits über ein fortschrittliches Verfahren zur Salzgewinnung, die Salzsiedetechnik.

Aus der römischen Kaiserzeit (15 v. Chr.–480 n. Chr.) stammen Funde einer anspruchsvollen Villenkultur in Marzoll und Fager (Ortsteil Karlstein), die Siedlung wurde von den Römern „ad salinas“ genannt und gehörte zur römischen Provinz Noricum. Als Siedlung könnten der Altstadtbereich oder der Kirchberg, aber auch andere Bereiche in der Umgebung gedient haben. In Kirchberg fanden sich zahlreiche Grabstätten der Bajuwaren aus der Merowingerzeit (480 bis 700).

Inwieweit hier die Salzproduktion in vorrömische Zeit reicht, ist bisher unklar. Bis zum Erscheinen der Römer 15 v. Chr. wird es sich vermutlich um eine Saline mit lokaler Bedeutung gehandelt haben. Die Römer forcierten die Salzproduktion und machten ad salinas zur leistungsfähigsten im gesamten Alpenraum. Die hier auf natürliche Weise dem Erdboden entspringenden Solequellen wurden gefasst und in tönernen Öfen versotten.

Hallgrafschaft und Stadt „Hal“

Ab etwa 700 hatte der Ort den Namen Hal, was wie zuvor der Name ad salinas einen Ort mit einer Saline bezeichnet.

Auf Grund einer Schenkung des Bayernherzogs Theodo an den ersten Bischof von Salzburg und später heiliggesprochenen Rupert besaß das Bistum von Salzburg ein Drittel der Saline. Damit war Hal für etwa 500 Jahre der wichtigste Wirtschaftsstandort für die Salzburger Kirche. (Der Legende nach hätte der Heilige Rupert im Jahre 696 die während der Völkerwanderungszeit vergessenen Solequellen wiederentdeckt und damit die Saline zu einer neuerlichen wirtschaftlichen Blüte gebracht.) Durch den Handel mit Salz aus Hal entstand noch vor der ersten Jahrtausendwende der Handelsweg „Goldener Steig“, der sich zum bedeutendsten in Süddeutschland und Böhmen entwickelte.

Um 1070 bildete sich unter dem Grafen Arnold von Dießen eine eigene Hallgrafschaft heraus, die den Salzhandel organisierte und überwachte. Sie blieb in der Familie, bis der Hallgraf Engelbert von Attel und Reichenhall 1161 starb und dessen Sohn Gebhard II. 1169 in das Kloster Reichersberg eintrat. Daraufhin übernahm Herzog Heinrich der Löwe selbst die Hallgrafschaft und damit die Kontrolle über einen Großteil der süddeutschen Salzgewinnung.

1144 ist in einer Urkunde von St. Zeno erstmals ein „castrum Halla“ belegbar, 1159 die Bezeichnung als civitas, ab 1285 als stat. Die Bezeichnung als civitas nahm die Stadt Bad Reichenhall 2009 zum Anlass das 850-jährige Stadtjubiläum zu feiern.

Folgen der „Salzirrungen“  Hallthurm (Wehrturm), Rest der 1194 errichteten Passbefestigung nach den Angriffen Bewaffneter aus Hal von 1193

Im Mittelalter waren neben dem Erzbischof von Salzburg Bürger aus Hal sowie das Kloster Sankt Zeno in Besitz der Solequellen und der ehernen Sudpfannen, die die alten Tonöfen abgelöst hatten.

Zwischen Hal und dem Klosterstift Berchtesgaden kam es 1190 nach dem Tode Kaiser Friedrich Barbarossas zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich als „Salzirrungen“ über Jahrzehnte hinzogen. Sie hatten ihre Ursache in dem durch den Kaiser sanktionierten Salzabbau in Berchtesgaden. Der Salzburger Erzbischof Adalbert III. sah darin eine Konkurrenz zum Salzbergwerk in Dürrnberg und zu der seinerzeit noch salzburgischen Saline in Hal. Kurz nach dem Tod des Kaisers fielen Einwohner aus Kuchl im Salzachtal ein, um die Bergbauanlagen zu zerstören und die Salzlager am Berchtesgadener Tuval zu besetzen. Friedrichs Nachfolger Heinrich VI. drohte Salzburg zwar mit harten Strafen, aber schon 1193 drangen über den Pass Hallthurm Bewaffnete aus Hal ins Gebiet des Klosterstifts ein, vermauerten die Bergstollen am Gollenbach und zerstörten die Salzpfannen. Darüber hinaus verweigerte Hal dem Stift den Zins für seine Brunnenanteile. Propst Wernher I. erwirkte in Rom bei Papst Coelestin III. einen strengen Verweis gegen den Erzbischof mit der Forderung nach völliger Genugtuung.

Nur drei Jahre später führte wegen nicht entrichteter Zehenten 1196 eine Strafexpedition des Salzburger Erzbischofs gegen Hal zu seiner nahezu völligen Vernichtung, von der lediglich das Kloster St. Zeno verschont blieb. Die Stadt wurde später auf kleinerer Fläche neu errichtet und erhielt als Schutz ihre (heute noch teilweise erhaltene) Stadtmauer sowie zur Überwachung der Stadt durch Salzburg die heute nicht mehr vorhandene Hallburg am Streitbichl. Nachdem die Salzlager am Dürrnberg wiederentdeckt wurden, verarbeitete seit 1198 die neue Saline im Salzburgischen Hallein das dort abgebaute Salz. Da die Saline in Hal völlig zerstört war, hatte Hallein nun die besten Voraussetzungen, die Marktführerschaft im Salzhandel zu übernehmen.

Nachdem Graf „Luitold“ von Plain 1218 während eines Kreuzzuges verstarb, geriet das Herzogtum Bayern (vermutlich unter Ludwig I.), das seine Herrschaft über Hal mehr und mehr zu festigen suchte, mit Salzburg über die zurückgefallenen Güter in Streit. Nach Vermittlung des Regensburger Bischofs Konrad IV. und des Pfalzgrafen Rapoto von Ortenburg wurden die Rechte in und um Hal geteilt, wobei dem Herzog im Anschluss das Landgericht bis an den „Steinbach hinter Melleck“ zugesprochen wurde. Durch eine spätere Übereinkunft (11. Juli 1228) ging jedoch auch noch die plainische Grafschaft Mittersill (Oberpinzgau) nebst Unterpinzgau an Salzburg über. „So erhielt Berchtesgaden neue Landesnachbarn, indem sich auf seiner Nordwestseite Baiern, und im Südwesten das Erzstift Salzburg gegeneinander abschlossen.“

Namensgebung und herzoglich bayerische Investitionen  Der Wittelsbacher Albrecht IV. nahm ab 1493 Reichenhalls Salzwesen in Besitz

1323 wurde die Stadt erstmals unter dem Namen Reichenhall erwähnt.

Im Spätmittelalter kamen die Reichenhaller Siedeherren immer mehr in Bedrängnis, da die Qualität der Sole durch ungehindert eindringendes Süßwasser vermindert wurde. Die Besitzer hatten jedoch nicht genug Kapital, um die dringend notwendigen Investitionen zu tätigen. Ab 1493 begann der Wittelsbacher Herzog von Bayern Albrecht IV. sukzessive auch die bürgerlichen Anteile der Siedeanlagen aufzukaufen. Mit der Inbesitznahme der Salzproduktion durch die Wittelsbacher begann eine zunehmende Technisierung und Verbesserung der Saline. Um das Problem der zufließenden Süßwässer zu beseitigen, wurden alle Solequellen in einem neuen zentralen Förderschacht, dem sogenannten „Hauptschacht“ zusammengefasst und mit einem Paternosterschöpfwerk nach oben gefördert. Das unerwünschte Süßwasser wurde nun als Oberflächenwasser durch den ab 1524 gebauten Grabenbachstollen abgeleitet. Knapp zwei Kilometer lang, fließt durch diesen Stollen unterhalb der Stadt noch heute in etwa 14 Metern Tiefe das Wasser bis zum Pidinger Ortsteil Staufenbrücke, wo es in die Saalach mündet.

Das Salinenarchiv des Hauptsalzamts war im Kloster St. Zeno untergebracht, das im Jahr 1512 ausbrannte, weshalb das Salinenarchiv „zu Grunde gegangen“ ist und seine „Urkunden nicht über das Jahr 1512 hinausgehen“.

Nachdem 1515 eine Bademagd namens Christine die Wohnung ihrer Nachbarin aus Rache angezündet hatte, starben bei dem daraus folgenden Stadtbrand etwa 200 Menschen. Neben den bereits erwähnten großen Stadtbränden gab es noch, meist im Zusammenhang mit der Saline, weitere in den Jahren 1209, 1265, 1353, 1415, 1424 und 1448.

Das „Waldbuch“ schrieb 1529 die nachhaltige Bewirtschaftung der „Saalforste“ vor, um die Versorgung der Saline mit Brennholz zu sichern. Schon 1509 war mit der „Waldmeisterstelle“ eines der ersten Forstämter in Mitteleuropa gegründet worden.

Herzoglich bayerisches Staatsmonopol und wirtschaftliche Verluste  350 Jahre Soleleitung, Briefmarke 1969

1619 hatte lediglich noch das Stift St. Zeno einen eigenen Salinenbetrieb. Das Salzwesen war weitgehend zu einem herzoglich bayerischen Staatsmonopol und damit erneut Bayerns wichtigster Wirtschaftszweig geworden, der dem Herzogtum enorme Steuereinnahmen sicherte.

Mit dem Bau einer Soleleitung (1617–1619) zu einer zeitgleich neu errichteten Saline in Traunstein sicherte Herzog Maximilian I. die bayerische Salzproduktion. Im Reichenhaller Einzugsgebiet waren die Wälder fast gänzlich abgeholzt, was eine gefährliche Brennnholzknappheit verursachte. In der Umgebung von Traunstein aber waren noch genügend Waldungen vorhanden. Ein Drittel der in Reichenhall geförderten Sole gelangte durch die 32 Kilometer lange Soleleitung nach Traunstein. Als Maßnahme zur Einsparung von Energie wurden ab 1745 Gradierwerke errichtet, die schließlich eine Länge von 720 Metern erreichten und damit landschaftsprägend für das Reichenhaller Tal waren.

Wegen zunehmender Beschwerden über schwere Qualitätsmängel des Salzes entschied man sich für umfassende Modernisierungsmaßnahmen der Reichenhaller Saline unter der Leitung von Johann Sebastian von Clais. Zwischen 1782 und 1784 ließ er u. a. ein neues Sudhaus mit neuen Sudpfannen einrichten, welche die Abwärme besser nutzten. Dank der daraus resultierenden Produktivitätssteigerung inkl. der erheblichen Einsparung von Brennholz amortisierten sich die immensen Baukosten von 100.000 Gulden schon nach kurzer Zeit.

Zeit im Königreich Bayern

Von 1808 bis 1810 wurde die Soleleitung nach Traunstein von Georg Friedrich von Reichenbach bis nach Rosenheim verlängert. Dort konnte man auf die Wälder des 1803 säkularisierten Klosters Tegernsee zurückgreifen. Die Salzproduktion sollte damit auf mehrere Standorte verteilt und um 75 % erhöht werden. Nachdem Land und Leute der bis 1803 eigenständigen Fürstpropstei Berchtesgaden ab 1810 dem Königreich Bayern angegliedert waren, wurde von Reichenbach 1817 auch beauftragt, die circa 29 km lange Soleleitung vom Salzbergwerk Berchtesgaden nach Reichenhall zu bauen. Noch heute kommen rund zwei Drittel der in Bad Reichenhall verarbeiteten Sole von dort.

Alte Saline

1834 verursachte ein Kehrbesen im Kamin der Reichenhaller Saline ein kleines Feuer, das nicht sofort gelöscht wurde, um eine zeitgleich die Saline besuchende Regierungskommission aus München nicht zu beunruhigen. Durch den daraus resultierenden Großbrand wurden weite Teile der Stadt zerstört. Zudem verbrannten im Magistrat und dem 1. Landgericht zu Reichenhall die Archive und Akten mit den Urkunden zur Geschichte und Topografie der Stadt. König Ludwig I. beauftragte Joseph Daniel Ohlmüller mit dem Neubau der Saline, die 1840 fertig gestellt war. Die inzwischen „Alte Saline“ genannte Saline war bis 1926 in Betrieb und ist heute noch als Industriedenkmal zu besichtigen. Auf dem Florianiplatz ist zum Dank dafür, dass die Anwohner seinerzeit vom Feuer verschont wurden, 1885 der St. Florian-Brunnen erbaut worden.

Ab 1846 wurde die Stadt zu einem Kur- und Badeort. Seit 7. Juni 1890 darf sie auf Verfügung des bayerischen Prinzregenten den Zusatz Bad führen. Neun Jahre später wurde sie königlich bayerisches Staatsbad.

Am 1. Dezember 1905 wurde der Hauptteil der aufgelösten Gemeinde St. Zeno der Stadt Bad Reichenhall und der andere Teil der Gemeinde Gmain angegliedert.

Zeit des Nationalsozialismus

In den 1930er Jahren wurde die „Reichsführerschule-SS Reichenhall“ gegründet, die neben einigen weiteren Reichsführerschulen den „Führernachwuchs“ der NS-Bewegung ausbilden sollte.

Der von Adolf Hitler für seinen zweiten Regierungssitz bei Berchtesgaden in Auftrag gegebene Flughafen Reichenhall-Berchtesgaden sollte erst auf dem bestehenden Reichenhaller Flughafen „Mayerhof“ eingerichtet werden, wurde dann jedoch am 21. Januar 1934 im benachbarten Ainring offiziell eingeweiht.

Im Rahmen der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik wurde Bad Reichenhall ab 1934 wieder Garnisonsstadt. In der damals eigenständigen westlichen Nachbargemeinde Karlstein entstand hierfür eine neue Kaserne, die, wie von Anfang an geplant, „mit Wirkung ab 1. Juli 1937“ durch einen Regierungsbeschluss in die Gemarkung Bad Reichenhall eingemeindet wurde und bis heute baulich nahezu unverändert existiert. 1939 war die Kaserne Standort des III. Btl. des Gebirgsjäger-Regimentes 100 mit Regimentsstab und 16. Panzer-Abwehr-Abteilung unter dem Kommando von Oberstleutnant Utz. Außerdem waren die I. Abteilung des Gebirgs-Artillerie-Regimentes 79 und eine Sanitätsstaffel in Bad Reichenhall untergebracht.

Kurz vor Kriegsende forderte am 25. April 1945 ein alliierter Bombenangriff auf das Stadtzentrum 198 Todesopfer. Die Kaserne mit ihren zahlreichen Lazaretten hingegen hatte keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen.

Nachkriegszeit  Theater und Spielbank am Abend

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte Bad Reichenhall zur Amerikanischen Besatzungszone. Die amerikanische Militärverwaltung richtete in der nicht mehr von Soldaten genutzten Kaserne ein DP-Lager zur Unterbringung sogenannter Displaced Persons (DP) ein.

Die 1933 verliehene Reichenhaller Ehrenbürgerwürde an Paul von Hindenburg sowie an die prominenten Vertreter des Nationalsozialismus Adolf Hitler, Franz Ritter von Epp, Ernst Röhm und Adolf Wagner wurde ihnen am 4. Januar 1946 wieder aberkannt.

1955 wurde in Bad Reichenhall Bayerns erste Spielbank errichtet.

Drei Jahre nach Gründung der Bundeswehr zog 1958 wieder eine Gebirgsjägertruppe in die Bad Reichenhaller Kaserne ein. Ab dem 13. Juni 1966 nach dem Antisemiten und ehemaligen Wehrmachtsgeneral der Gebirgstruppe Rudolf Konrad in General-Konrad-Kaserne benannt, erhielt sie nach jahrzehntelangen Protesten am 1. August 2012 den Namen „Hochstaufen-Kaserne“.

Gebietsreform

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 der Landkreis Berchtesgaden, der südliche Teil des Landkreises Laufen sowie die kreisfreie Stadt Bad Reichenhall zum neuen Landkreis Bad Reichenhall zusammengelegt. Am 1. Mai 1973 erhielt der Landkreis seinen heutigen Namen (Landkreis Berchtesgadener Land). Als Kreisstadt bestimmte der Freistaat Bayern die Stadt Bad Reichenhall, die zudem aufgrund des Verlustes der Kreisfreiheit zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform vom 1. Mai 1978 wurden Karlstein und Marzoll eingemeindet. Am 1. Januar 1981 wurde das gemeindefreie Gebiet Kirchholz aufgelöst und zwischen Bayerisch Gmain und Bad Reichenhall (Gemarkung St. Zeno) aufgeteilt. Auch die Gemarkung Kirchholz wurde aufgelöst.

Chronik von Geschehnissen ab 1982

Am 22. November 1982 kam es zu einer Brandkatastrophe. Nach einem Verkehrsunfall eines mit 34.000 Litern Super- und Normalbenzin beladenen Tankwagens entzündete sich die Ladung. Ein Übergreifen auf die Tankanlagen der Tankstelle konnte verhindert werden. Der Tankwagenführer verbrannte in seinem Führerhaus, die 7 Anwohner aus dem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden z.T. schwer verletzt.

1997 wurde der Staatsbadbetrieb privatisiert, die Staatliche Kurverwaltung aufgelöst und die Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain gegründet.

Aus einem Fenster des elterlichen Wohnhauses verschoss am 1. November 1999 ein 16-jähriger Lehrling unter Einsatz mehrerer Langfeuerwaffen wahllos eine große Menge an Munition. Dabei tötete er drei Passanten, darunter seine 18 Jahre alte Schwester, und verletzte sechs weitere Personen. Ein großes Medienecho fand diese Tat auch deshalb, weil zu den Verletzten der Schauspieler Günter Lamprecht und seine Lebensgefährtin Claudia Amm zählten. Nach der Tat beging der jugendliche Amokschütze Selbstmord.

Der Kur- und Verkehrsverein Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain ist seit 2005 mit der Marketinggesellschaft Berchtesgadener Land Tourismus assoziiert.

Im Zuge entsprechender Nachfrage und regionaler Konkurrenz unter Kur- und Wellness-Destinationen wurde im März 2005 die RupertusTherme eröffnet.

Bad Reichenhall wurde für sein besonderes Engagement zur Umsetzung der Alpenkonvention, dem wichtigsten internationalen Schutz- und Förderprogramm für den Alpenraum, zur Alpenstadt des Jahres 2001 gekürt. Der 1997 gegründete Verein, der diesen Preis auslobt, hat seinen Sitz in Bad Reichenhall.

Einsturz der Eislaufhalle Bad Reichenhall

Der Einsturz der Eislaufhalle Bad Reichenhall am 2. Januar 2006 forderte 15 Menschenleben, darunter 12 Kinder und Jugendliche; 34 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Zukunft des Geländes betreffend, fand in Bad Reichenhall ein Bürgerentscheid statt. Danach sprachen sich 53 % der Abstimmenden dafür aus, auf dem Gelände eine neue Eis- und Schwimmhalle zu errichten, während die Stadt dort eine Touristik-Hochschule plant. Die Stadt Bad Reichenhall hat sich jedoch aus Kostengründen über diesen Volksentscheid hinweggesetzt und hält an der Hochschule fest. Um für den Willen der Mehrheit der Bevölkerung zu demonstrieren und um der Opfer des Einsturzes der Eislaufhalle zu gedenken, veranstaltete der Liedermacher Hans Söllner vom 16. Januar bis zum 10. Februar 2009 eine Sitzblockade auf dem Gelände der eingestürzten Eishalle.

Chronik von Geschehnissen ab 2007

Ein brennender Bergwald am Thumsee hielt die Feuerwehren ab dem 13. April 2007 elf Tage lang in Atem, davon drei Tage unter dem Vorzeichen eines Katastrophenalarms. Zwölf Hubschrauber unterstützten die Brandbekämpfung, Personen kamen nicht zu Schaden.

Einwohnerentwicklung

Die Bevölkerung von Bad Reichenhall steigt seit Jahren langsam wieder etwas an. Ebenfalls steigt auch die Geburtenrate wieder ein wenig an. Der Altersdurchschnitt der Stadt gehört mit 48,8 Jahren zu den höchsten in Deutschland. Die Einwohnerzahl von Bad Reichenhall beträgt seit 2004 in etwa 18.350, Tendenz leicht ansteigend. Durch die bevorstehende Aufstockung des Bundeswehrstandortes wird die Einwohnerzahl von Bad Reichenhall in nächster Zukunft auf über 20.000 Einwohner ansteigen.

Geografisch-soziokulturelle Zuordnungen

Schon vor dem Übergang in das Königreich Bayern seit langem herzoglich bayerisches Einzugsgebiet, nimmt Bad Reichenhall als traditionsreiche Salinen- und Kurstadt soziokulturell innerhalb des Landkreises Berchtesgadener Land eine Sonderstellung ein und grenzt sich noch heute als Große Kreisstadt von der gleichnamigen Kulturlandschaft Berchtesgadener Land in den historischen Grenzen des fürstpropstlichen Kernlandes[28][29] und dem einst zum Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Rupertiwinkel ab.[30]

Religion

Von der zuletzt anlässlich der Volkszählung am 25. Mai 1987 erfassten Religionszugehörigkeit der Einwohner Reichenhalls waren von seinerzeit 16.342 Einwohnern 11.790 (72,1 %) als römisch-katholisch und 3.311 (20,3 %) als evangelisch-lutherisch (einschließlich Freikirchen) gemeldet; die übrigen 1.241 (7,6 %) Einwohner waren anderer Konfession oder konfessionslos (davon 12 jüdischen Glaubens, 364 zählten zu „sonstige religiöse und christliche Gemeinschaften“ und 865 waren „keiner Religionsgesellschaft rechtlich zugehörig“).

Mehr als 92 Prozent der Einwohner Bad Reichenhalls gehörten 1987 somit einer christlichen Religionsgemeinschaft an.

In Bad Reichenhall bestehen drei römisch-katholische Pfarrgemeinden:

  • St. Nikolaus (Bad Reichenhall) mit den Filialen St. Georg (Nonn), St. Pankraz (Karlstein) und Maria Hilf (Schneizlreuth).
  • St. Valentin (Marzoll)
  • St. Zeno – Bad Reichenhall

Neben einer Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde (Evangelische Stadtkirche) gibt es in Bad Reichenhall die Evangelischen Freikirchen der Mennoniten Brüdergemeinde und der Freien Christengemeinde.

Ferner gibt es in Bad Reichenhall Zeugen Jehovas und die Neuapostolische Kirche.

Die Buddhistische Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland (BGJD) hat ihren Sitz und Tempel in Bad Reichenhall und betreut dort die Begegnungsstätte ShinDo.


Wappen
Blasonierung: „Gespalten von silber und gold. Vorn ein blaues Rautenmuster. Hinten ein rechtsgewendeter rot bezungter und rot bewehrter schwarzer Panther.“

Bedeutung: Das weiß (silber)-blaue Rautenmuster zeugt von der langen Zugehörigkeit der Stadt zum Machtbereich der Wittelsbacher. Das Rautenmuster stammt ursprünglich aber aus dem Wappen der Grafen von Bogen. Die Wittelsbacher übernahmen es später. Der Panther stammt aus dem Wappen der Grafen von Orthenburg. Das Stadtwappen entspricht dem Hoheitszeichen von Niederbayern, zu dem Reichenhall ursprünglich gehörte (1255–1506).

Ältere Wappen: Das älteste bekannte Siegel zeigte das Agnus Dei im 13. Jahrhundert. Im selben Jahrhundert, vermutlich im Zeitraum der Stadtgründung, erschienen schon das Rautenmuster und der Panther im Wappen.

Die Wappenführung wurde 1929 richtiggestellt auf der Rechtsgrundlage, dass das Wappen im Siegel überliefert ist (Siegelführung seit dem 13. Jahrhundert belegt).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Bad Reichenhaller Philharmonie wurde 1858 erstmals erwähnt, als „Bademusik unter Leitung des Stadtthürmermeisters Konrad Landrichinger“. 1868 gründete Joseph Gung’l das heute noch bestehende Orchester, nach ihm waren Karl Hünn, Gustav Paepke (Schwiegersohn von Joseph Gung’l) und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, Wilhelm Barth Leiter des Orchesters. Heute ist die Bad Reichenhaller Philharmonie ein ganzjährig spielendes anerkanntes Kulturorchester mit einem weitgespannten Repertoire.

Museen

  • Das Heimatmuseum im sogenannten ehemaligen Getreidestadel, erbaut in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Museum ist seit 2005 wegen Sanierung geschlossen; Wiedereröffnung frühestens 2014.
  • Das Salzmuseum mit Quellenbau in der Alten Saline mit der Salinenkapelle, errichtet nach dem großen Stadtbrand von 1834 nach den Plänen des Architekten Joseph Daniel Ohlmüller.
  • Faschingsordenmuseum


Parks

Im 4 ha großen Königlichen Kurgarten steht ein Gradierwerk, in dem auf einer Länge von 162 m die Sole über 200.000 Schwarzdornreisigbündel 14 Meter tief fällt, um den Salzgehalt zu erhöhen. Das Gradierwerk dient in seiner heutigen Gestalt als Freiluftinhalatorium, daneben befinden sich eine Trinkhalle, eine Wandelbahn und eine Wandelhalle von Eugen Drollinger aus dem Jahr 1912.

Der Dr.-Ortenau-Park erinnert mit seinem Namen an den jüdischen Kurarzt Gustav Ortenau, der bis 1938 im Ort wirkte.

Weitere Anlagen sind der Rupertuspark an der Luitpoldstraße, der Wittelsbachergarten hinter dem Kurgastzentrum und der Karlspark in St. Zeno.

Sport und Sportvereine

Beim Berchtesgadener-Land-Radmarathon (Alpencup), der am 12. Juni 2005 das erste Mal stattfand, war Bad Reichenhall der Start- und Zielort.


Wirtschaft und Infrastruktur

Tourismus

Bad Reichenhall lebt stark vom Fremdenverkehr und den Kurbetrieben. Seit einigen Jahren bemüht sich die Stadt, nachhaltigen Tourismus voranzutreiben, und ist Mitglied bei der Tourismuskooperation Alpine Pearls. Der Kur- und Verkehrsverein Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain ist seit 2005 mit der Marketinggesellschaft Berchtesgadener Land Tourismus assoziiert und nutzt sie zur Bewerbung der touristischen Angebote in Bad Reichenhall.

Andere Wirtschaftszweige

Deutschlandweit bekannt ist das Reichenhaller Markensalz. Dies wird in der Saline Bad Reichenhall der Südwestdeutschen Salzwerke AG gesiedet. Weltweit bekannt sind die Patisserieprodukte der Firma Reber, am meisten wohl die Mozartkugeln, deren größter Produzent Reber heute ist. In der Stadt hat die älteste Latschenkiefernölbrennerei der Welt Josef Mack GmbH & Co.KG ihren Firmensitz. Ferner sind die seit 1934 in Bad Reichenhall stationierten Gebirgsjäger ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region.

Verkehr

Durch das Verschwinden der Grenzen in Europa und das Entstehen von Europaregionen orientiert sich Bad Reichenhall immer mehr in Richtung Salzburg, das nur wenige Kilometer entfernt ist. Die beiden Bahnhöfe von Bad Reichenhall (Bahnhof Bad Reichenhall und Bad Reichenhall-Kirchberg) liegen auf der Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden und werden seit Dezember 2009 hauptsächlich von der Berchtesgadener Land Bahn im Stundentakt bedient. Es besteht ein Stadtbusverkehr sowie Busverbindungen in die Nachbarorte und ein Anschluss an das landesweite Busliniennetz.

Als Umgehungsstraße verlaufen die B 20 und die B 21 am Ort vorbei. Die B 20 verläuft zusätzlich durch einen Teil des Ortsgebiets nach Bayerisch Gmain, den Hallthurmer Berg hinauf, nach Berchtesgaden.

Die Bundesautobahn 8 führt im Stadtteil Marzoll durch die Stadtgemarkung, wobei die Anschlussstelle Bad Reichenhall in der Nachbargemeinde Piding liegt. Im Ortsteil Schwarzbach befindet sich eine Behelfsauffahrt in Richtung München.

Medien

Das Reichenhaller Tagblatt wurde 1840 gegründet und erscheint seit Anfang der 1970er mit den Mantelseiten des Traunsteiner Tagblatts.

Als landkreisweite Zeitung wird in Bad Reichenhall auch das Berchtesgadener Wochenblatt verteilt, das eine Auflage von 37.200 hat.

Der Sender Bad Reichenhall-Kirchholz versorgt seit 1967 die Kurstadt mit Radioprogrammen des Bayerischen Rundfunks.

Empfangbar in Bad Reichenhall ist zudem u. a. seit dem 1. Januar 2009 der Lokalsender Bayernwelle SüdOst mit Sitz in Freilassing, der die Frequenz des 2008 eingestellten Senders Untersberg live übernommen hatte.

Salzburgs Community Radio Radiofabrik sendet auf 107,5 MHz mehrere regelmäßige Formate speziell für Bad Reichenhall (Hallo Nachbarland, Rockradio Reichenhall und andere). Produziert werden diese Sendungen ehrenamtlich von Bürgern der Stadt.

Bildung

In der Stadt gibt es das Karlsgymnasium und die Mädchenrealschule der Erzdiözese München und Freising in St. Zeno. Weiterhin gibt es eine Mittelschule (St. Zeno), ein Sonderpädagogisches Förderzentrum, eine Montessori-Schule und drei Grundschulen (Heilingbrunnerstraße, St. Zeno/Marzoll und Karlstein).

Weitere Bildungseinrichtungen sind die Berufsfachschule für Krankenpflege an den Kliniken des Landkreises, die Städtische Musikschule, die Städtische Volkshochschule und die Steigenberger Hotelfachschule.

Ab 2009 sollte auf dem Gelände der ehemaligen Eislauf- und Schwimmhalle eine Fachhochschule für Hotelmanagement errichtet werden, ein Ableger der privaten Internationale Hochschule Bad Honnef · Bonn, aber bis heute wurde das Projekt nicht realisiert. Der Studienbetrieb wurde bereits 2008 in provisorischen Räumen aufgenommen.

Trivia

Ab Ende 2007 war eine Diskussion um eine von Harry Vossberg initiierte und von Angerer dem Älteren entworfene, über 50 m hohe Christusstatue auf dem Hausberg Predigtstuhl im Gange. Die neu geplante Statue wäre damit 22 m höher geworden als das Vorbild in Rio de Janeiro. Das Vorhaben wurde im September 2008 vom Stadtrat abgelehnt.

Quelle: Wikipedia.de


 

Thumsee - Rundweg